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buch:kapitel03

So viel? Wie fange ich bloß an?

Es gibt am Anfang eines Medienbildungskonzeptes meist zwei Aufgabenbereiche, die einander bedingen.

  1. Ohne Technik keine Medienbildung.
  2. Ohne Medienbildungskonzept kein sinnvoller Einsatz von Technik

Die Technik ist für viele Menschen ein kleiner Verführer, weil es mit ihr im privaten Bereich oft so gut und einfach klappt. Dementsprechend lesen sich viele schnell verfasste Medienbildungskonzepte eher wie technische Beschreibungen des gewünschten Schulnetzwerks.

Spannend sind aber auch didaktisch-methodische Fragen. Beides sollte in einer gemeinsamen Mediengruppe in den Blick genommen werden.

Daraus ergibt sich der Anspruch, zwei Prozesse gleichzeitig in den Blick zu nehmen.

Prozess 1: Inhalte und Haltungen diskutieren

Die folgende Grafik kann ein schöner Auslöser sein, um über Didaktik und Methodik im Bereich des nicht nur digitalen Lernens zu diskutieren, gerade weil sie inhaltlich so streitbar ist.

Die „falschen Antworten“ sind genau das, was ich als Berater regelmäßig von Schulen erhalte:

„Ich möchte präsentieren und dafür brauche ich …“ „Ich möchte mit der Schulgemeinschaft geschützt kommunizieren und daher muss es diese Lernplattform sein!“

Für den didaktisch-methodischen Prozess ist es eben aber auch wichtig, sich zu überlegen, warum ich nicht mehr ausschließlich mit z.B. Tafel und Kreide arbeiten möchte.

Die Grafik lässt zudem ja völlig außer Acht, dass die „richtigen Antworten“ Lösungen für die „falschen Antworten“ voraussetzen: Wenn ich nicht über ein Grundwissen im Kompetenzbereich „Bedienen und Anwenden“ verfüge, kann ich wahrscheinlich in keinem der anderen Kompetenzbereich Größeres vollbringen.

Prozess 2: Technik ja und hier und jetzt – aber mit Konzept

Folgende Strukturen begegnen mir bei der Beratung von Schulen immer wieder. Jeder hat das Recht auf eigene Fehler, aber es geht schneller, wenn man bereit ist, aus den Fehlern anderer zu lernen. Das macht einfach weniger Arbeit.

Bitte keine Fixierung auf Endgeräte vor der Schaffung von Infrastruktur

Rechner, Notebooks, interaktive Tafelsysteme und Tablets sehen schick aus, sind im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ und zudem repräsentativ nach außen. Keines dieser Geräte lässt sich mittlerweile sinnvoll nutzen ohne ein stabiles Netzwerk und eine vernünftige Anbindung desselben an das Internet. Ohnehin stattfindende bauliche Maßnahmen an Schulen werden oft nicht hinreichend dazu genutzt, Infrastruktur gezielt aufzubauen (Verlegung von Netzwerkkabeln in neu erstellten Decken, Umbau der Elektrik oder Heizungs- sowie Sanitärinstallationen etc.)

Bitte keine mobilen Lösungen für Präsentationen

Medienwagen mit Beamer, Notebook und Lautsprechern sind flexibel einsetzbar. Prüft man als Berater die Betriebszeiten von Beamerlampen auf diesen Wagen, stellt sich oft Ernüchterung ein: Aus verschiedenen Gründen werden diese recht teuren Geräte wesentlich weniger genutzt als fest installierte Systeme z.B. Deckenbeamer mit fest installierten Rechner.

Bitte keine räumlich unsinnige Installationen von Präsentationssystemen im Klassenraum

Das Endgerät, welches den Beamer oder die interaktive Tafel steuert, muss entweder so ausgerichtet sein, das die Lehrkraft bei der Bedienung zur Lehrgruppe hinschaut oder es muss eine mobile Präsentation vom Platz des Schülers aus möglich sein.

Bitte keine technische Überdimensionierung von PC-Arbeitsplätzen

Im klassischen PC-Raum werden i.d.R. Office- oder Internetanwendungen genutzt. Dafür sind PC-Systeme wie sie in Firmen zum Einsatz kommen schlicht überdimensoniert und verbrauchen darüberhinaus unnötig viel Energie. Für die Medienproduktion – z.B. Filmschnitt – sind diese Geräte dann wieder viel zu leistungsschwach. Ein PC-Arbeitsplatz muss in sich der Ausstattung an der tatsächlich zu erwartenden Nutzung orientieren.

Bitte kein Verzicht auf Softwareverteilungslösungen

Jedes System, welches bei der Installation einer Anwendung voraussetzt, dass sich ein Servicetechniker vor jeden einzelnen PC für die notwendigen Arbeiten setzt, ist nicht mehr zeitgemäß. Software lässt sich heutzutage servergesteuert verteilen. Selbst die Betriebssysteminstallation läuft bei passenden Schulserverlösungen vollautomatisch ab. Der Schutz des jeweiligen Arbeitsplatzes vor Manipulationen durch SuS kann z.B. verlässlich durch entsprechende Profileinstellungen erfolgen.

Im Bereich des mobilen Lernens mit Tablets hat man diesen Schritt von vornherein übersprungen. Tablets aber auch Cromebooks werden heute grundsätzlich über webbasierte Softwareverteilungslösungen verwaltet (MDM, Mobile Device Management).

Bitte kein fehlendes Fortbildungskonzept für die Lehrkräfte

Im Idealfall werden die vom Schulträger beschafften Geräte oft und gern benutzt. Nur ein kompetenter, lernbereiter Anwender ist dazu in der Lage und nutzt die Möglichkeiten dieser teuren und meist wartungsaufwändigen Investition. Schulen mit einem durchdachten IT-Fortbildungs- und Medienkonzept sind bei der Ausstattung vorrangig zu behandeln. Ein schulübergreifendes Fortbildungskonzept wird durch eine einheitliche Ausstattung erheblich vereinfacht.

Bitte kein „Schmoren im eigenen Saft“

Es gibt in der eigenen Region meist Schulen, die mit neuen Medien und Schulserverlösungen ausgestattet sind. Diese verfügen über konkrete Erfahrungswerte aus methodisch-didaktischen Kontexten. Die Besichtigung anderer Schulen und das Gespräch mit den dort unterrichtenden Lehrkräften sind wichtig, um als Schule oder Schulträger eine differenzierte Meinung zu erhalten und diese gegenüber Firmen vertreten bzw. überhaupt verbalisieren zu können.

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buch/kapitel03.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/21 16:08 von administrator